Die „Band mit dem langen Namen“ hatte die Musik von Louis Armstrong im Gepäck

„100 Jahre HOT 5“ - zelebriert von den „South West Oldtime Allstars“
Der Chef der Band an der Trompete: Martin Auer.

Es gibt Ereignisse, für die das Attribut „gut“ gilt, andere sind wiederum besser. Und dann gibt es jene, die einfach Klasse sind. Dazu gehört zweifellos der Auftritt oben genannter Band mit dem langen Namen. Martin Auer (Trompete), Matthew Bookert (Sousaphon), Francois Perdriau (Schlagzeug) und Thomas Decard (Banjo und Gitarre) verleiteten die Besucher im Scharwenka-Haus bei ihrem ersten Besuch am ersten August-Wochenende zu Beifallsstürmen.

Am Banjo und der Gitarre, natürlich nicht elektrisch: Thomas Dekas aus Meran in Südtirol.

Das Wetter war an diesem Nachmittag mit ergiebigem Regen auch Klasse – allerdings nur für die Natur. Das erste Kurkonzert im August musste von den emsigen Vereinsmitgliedern kurzerhand in den Saal des Hauses verlegt werden, samt Versorgung mit Kaffee, Kuchen und anderen Getränken. Das tat der Qualität dieses Nachmittags jedoch keinen Abbruch. Denn das Konzert dieser excellenten Vollblutmusiker entschädigte für den Verzicht auf ein Erleben des Konzert auf neuer Bühne im lauschigen Grünen.

Am 12 Kilogramm schweren Sousaphon: Matthew Bookert
aus Austin (Texas).
Die Besucher waren voll des Lobes, spendeten viel Beifall und äußerten sich auch in der Pause gegenüber Vereinsmitgliedern über diese erneute wunderbare Veranstaltung in hoher musikalischer Qualität..

Martin Auer spielte nicht nur hinreißend Trompete, sondern führte auch mit viel Humor durch das Programm, wobei die Erklärung für den ausgefallenen Banjo-Spieler aus Kolumbien („Er musste schnell nach Bogota zurück, weil er in seinem Haus die Gasheizung vergessen hat auszuschalten.“) nur einer der unterhaltsamen Gags zwischendurch war. Der Einsatz von Thomas Dekas aus Meran erwies sich mehr als nur ein Ersatz, sondern sein Spiel war so gleichwertig begeisternd wie das der übrigen Drei.

Die HOT 4 haben sich der Musik von Louis Armstrong verschrieben, der vor gut 100 Jahren eine ganz andere Note in die Blues- und Jazzmusik brachte. Mit seinen HOT-5-Musikern und ihren Instrumenten Trompete, Posaune, Klarinette, Klavier und Banjo schuf Armstrong eine der einflussreichsten Jazz-Gruppen in der Musikgeschichte. Sie produzierte in den 1920er Jahren Studioaufnahmen, die als Meilensteine des New-Orleans-Jazz bezeichnet werden. Wurde bis dahin kollektiv beim Jazz improvisiert, rückte Armstrong das Solistenspiel in den Vordergrund.

Am Schlagzeug: Francois Perdriau aus Frankreich

Diese nie live gespielten Studioaufnahmen holten nun die „South West Oldtime Allstars“ als die HOT4 aus den Archiven und zelebrieren sie bei inzwischen über 200 Konzerten auf der Bühne. Bei ihren Auftritten erhält wie bei Armstrong jeder einzelne Musiker neben dem Zusammenspiel der Band zwischendurch seinen eigenen Solopart, was die Besucher im Scharwenka-Haus jeweils mit viel Beifall honorierten. Mit einigen Stories zwischen den Musikstücken unterhielt der Chef der Band Martin Auer die Zuhörer ebenfalls. So zum Beispiel damit, dass eines der bekanntesten Stücke von Armstrong neben Aufnahmen von Bach, Mozart, den Beatles und anderen Berühmtheiten auf der Goldenen Schallplatte verewigt ist, die mit einer Voyager-Rakete ins All geschossen wurde in der Hoffnung, dass irgendwann einmal Außerirdische auf sie treffen. Der trockene Kommentar vom Bandleader Martin Auer dazu: „Sie werden aber wohl keinen Plattenspieler mehr dort draußen haben.“

Marin Auer verkaufte in der Pause CD’s mit Aufnahmen der Band. Von den gierigen Großkonzernen – wörtlich nannte er u.a. Spotify – werde ihre Originalmusik aufgekauft und mit KI gestreamt. Von Zigtausenden Streams bleiben für die Musiker nur Centbeträge.

Ein weiterer Titel in dem mitreißenden Auftritt der vier Musiker war der „Gully Low Blues“, in dem eine Stimmung beschrieben wird, in der es einem so schlecht geht, dass man sich am liebsten unter einem Gully-Deckel verkriechen möchte. Allerdings ging von dem Stück soviel Energie aus, dass sie die schlechte Stimmung schon bald vertrieben haben muss.

Von Vereinsmitglied Kirsten Wiedemann (r.), die für die Organisierung dieses Auftritts den Hut aufhatte und Waltraut Tuchen erhielten die Musiker zum Abschied jeder ein Fläschchen „Moorleiche“

Die vierköpfige Band fühlte sich laut der abschließenden Worte des Band-Chefs in Bad Saarow bestens aufgehoben, was die Aufnahme durch das Publikum, die Versorgung seitens der Vereinsmitglieder und die Atmosphäre insgesamt betraf. Und er verband sein Lob gleich mit dem Wunsch, dass die Vier gern wiederkommen würden, „weil wir dann auch gern auf der grandiosen Bühne im Grünen spielen würden“. Der spontane Beifall des Publikums unterstrich, dass es ein Wiedersehen auch sehr begrüßen würde.

Mit vielen Regenschirmen waren die Besucher zum Konzert gekommen, den Nachhauseweg konnten sie bei fast
Sonnenschein antreten.