Bauen in Bad Saarow – Zwischen Reet, Rosenthal und Revision

Vortrag mit Prof. Dr. Sylvia Claus (Kunsthistorikerin), Helene Peters und Emil Brechenmacher (Architekten)

Bad Saarow war in den 1920er-Jahren mehr als ein Kurort, es war ein Landschaftsatelier der Moderne. Künstler der Berliner Secession, Architekten und Schriftsteller fanden hier, fernab der Großstadt, ihren eigenen Resonanzraum. Im Zentrum dieser fast vergessenen Geschichte steht ein Name, den heute kaum noch jemand kennt: Harry Rosenthal (1892-1966). Der jüdische Architekt zeichnete auf dem Dudel ein architektonisches Ensemble von großer Ambition – und erlebte wenige Jahre später jene Karriere-Kurve, die für so viele Architekten seiner Generation typisch werden sollte: rasanter Aufstieg, Emigration, Vergessen.

An diesem Abend nähern sich die Vortragenden Rosenthals Werk und seiner Zeit aus zwei Richtungen. Prof. Dr. Sylvia Claus (BTU Cottbus), die als erste die Biografie und das Schaffen Rosenthals wissenschaftlich umfassend aufgearbeitet hat, gibt einen Überblick über sein Leben und Werk – von der ersten Flachdachvilla Berlins über die Saarower Häuser auf dem Dudel bis zu seinen später kaum noch bekannten Bauten im Exil.

Helene Peters und Emil Brechenmacher weiten den Blick anschließend auf die Baugeschichte Bad Saarows insgesamt und berichten aus einem laufenden Projekt: dem Versuch, Rosenthals Erbe nicht zu musealisieren, sondern weiterzuschreiben. Sie stellen ihren zeitgenössischen Entwurf für den Wiederaufbau der verlorengegangenen „tschechischen Kate“ vor und erläutern die grundsätzlichen Leitlinien für ein Bauen, das diesem besonderen Ort gerecht werden kann.

Der Abend versteht sich als Einladung zum Gespräch: Wie baut man heute an einem Ort mit einer so dichten und verletzlichen Geschichte? Welche Rolle spielen Handwerk, Form und Schönheit dabei? Und was bedeutet zeitgenössische Baukultur an einem Ort wie dem Märkischen Meer?

copyright: hp_eb

Eintritt an der Abendkasse: 5€