Wer hat von wem geklaut?

Spaß mit Klassik - Salonpianist Felix Reuter ist ein Meister der Improvisation
Ilona Genschmar, stellvertretende Vorsitzende des Scharwenka Kulturforums, begrüßt den Künstler Felix Reuter. Er war bereits das zweite Mal zu Gast. Fotos (3): Hiltrud Barholz

Von Hiltrud Barholz

Der Salonpianist Felix Reuter hat erneut im Scharwenka Kulturforum für ein volles Haus gesorgt  – und das trotz glattem Winterwetter. Ilona Genschmar, stellvertretende Vereinsvorsitzende, dankte den zahlreich erschienen Gästen und erinnerte daran, dass Felix Reuter vor fast genau einem Jahr schon einmal da war mit seiner „Verflixten Klassik, Teil 1“. Nun folgte „Teil 2“. Der gebürtige Thüringer bewies sich erneut als ein Meister der Improvisation, er zog die verschiedenen Musikstücke wie aus der Hosentasche und plauderte dabei aus drei Jahrhunderten Musikgeschichte.

Konzentriert und voller Witz. Fotos (4): Ruth Buder

Felix Reuter präsentierte Bach mit großer Spielfreude und erklärte mit Augenzwinkern und flinkem Tastenspiel wie mit ein paar veränderten Sequenzen und Tönen aus Barockmusik Blues und Jazz werden kann. Er präsentierte Kompositionen berühmter Komponisten, die eng mit der Natur verbunden sind, wie Peter Tschaikowskis „Blumenwalzer“ und „Schwanensee“ und in Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ den Frühling und den Winter.

Wenn er sich am Bechstein Flügel aufstellt, erzählt er witzige Anekdoten.
Beherrscht die Tasten ohne Noten.

Mit seinen humorvollen Erklärungen, aber dabei hohen musikgeschichtlichen Kenntnissen, brachte er das Publikum oft zum Schmunzeln. Zum Beispiel, wie Joseph Haydn bei seiner „Sinfonie mit dem Paukenschlag“ den Kaiser zum Erwachen gebracht hat.

Und durch den ganzen Abend zieht sich die von Felix Reuter humorvoll gestellte Frage: „Wer hat von wem bzw. was geklaut?“ In Smetanas „Moldau“ in Moll steckt „Alle meine Entchen“ in Dur, spielt man „Ein Männlein steht im Walde“ in Moll klingt es nach Chopin, in Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ erkennt man das Lied „Sind die Lichter angezündet“ und in Rachmaninows Konzert, das zu einem Welthit wurde, das Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“.

In der Pause mischte sich der beliebte Showpianist unter die Gäste und verkaufte seine CD’s.

Und die Komponisten hätten sich, so beweist es Reuter am Flügel, voneinander inspirieren lassen. Zum Beispiel Franz Liszt von Mozart. Und gleich brachte er dazu den Beweis und erzählte dabei anschließend, wie Liszt unter dem Motto „Promis für die Touris in Weimar“ einige Paganini-Capricen für Geige nun für Klavier umgeschrieben hat. Das was Paganini an virtuosen Meisterleistungen vollbracht habe, habe Liszt selbst „als Paganini auf dem Klavier“ vollbringen wollen.

Gut gelaunt bis zum Schluss – unsere Gäste.

Nach gut zwei Stunden war der vergnügliche Abend zu Ende. Zum Schluss gab es eine Zugabe  – Gershwins „Summertime“ in zwei Minuten, gefolgt von Reuters eindringlicher Bitte: „Lasst uns einfach Kultur zusammen genießen“. Als Dankeschön überreichte Ilona Genschmar eine Rose und die unverkäufliche CD über Xaver Scharwenka und die Wiedererstehung seines Sommerhauses in Bad Saarow als ein Ort der Kultur. In zwei Jahren, so versprach der Künstler, werde er gern wiederkommen.