
Wenn sich Frank Muschalle und Dirk Engelmeyer im Scharwenkahaus ankündigen, dann sind Liebhaber von Boogie-Woogie, Blues und Jazz gut beraten, sich schnell Karten zu besorgen. Das Interesse an dem Starpianisten und seinem Schlagzeuger ist immer riesengroß. So war es auch am 16. Mai, als etliche kurzfristig Interessierte wieder von dannen ziehen mussten, weil das Haus bereits eine Woche vor dem Konzert ausverkauft war. Schon bevor die beiden Vollblutmusiker sich ans Klavier bzw. ans Schlagzeug setzten, bot ihnen das Publikum einen jubelnden Empfang. Und mit „Long, long journey“ begann die „lange Reise“ durch den Abend, über zwei Stunden Musik und Gesang vom Feinsten. Gespickt mit dem Witz von Frank Muschalle, seinen herrlichen Anekdoten und erklärenden Kommentaren zu den Ursprüngen der Musik aus den Südstaaten Amerikas, wo in den Anfangsjahren vorwiegend Solisten zum Tanz aufspielten. „Es war die Musik der einfachen Menschen, das Geld war knapp“, so Muschalle. In den 1920er/30er Jahren habe sich ein großer Markt für die Musiker entwickelt, doch nur wenige hätten es in die Carnegie Hall in New York geschafft. So wie zum Beispiel Teddy Wilson, der berühmte amerikanische Jazz Pianist (1912-1986), dem der Deutsche Frank Muschalle ein eigenes Stück gewidmet hat und an dem Abend zu Gehör brachte. „Es ist meine Verbeugung an einen großen Pianisten“.



Mit Dirk Engelmeyer aus Osnabrück tritt der Berliner Frank Muschalle seit fast 38 Jahren auf. Wie gut sie menschlich zueinander passen und musikalisch wunderbar miteinander harmonieren, bewiesen sie erneut. Schnell erreichten sie an diesem Maiabend ihre gemeinsame „Betriebstemperatur“, von Anfang an ging das Publikum mit, kein Fuß, der nicht im Takt wippte. Das Duo brachte schnelle und langsame, bekannte und weniger bekannte Titel – immer ohne technische Verstärkung – zu Gehör. Dirk Engelmeyer begeisterte mit einem grandiosen Schlagzeug-Solo und seinem Gesang – mit seiner knurrig-heiseren Stimme die ein gewisses Südstaaten-Feeling vermittelte. Dabei verließ er die Bühne, verschwand minutenlang aus dem Saal, um durch die „Hintertür“ zur Freude des spontan applaudierenden Publikums singend wieder aufzutauchen.

Immer wenn die Musik richtig lebhaft wurde und Muschalle in die Tasten haute, „um den Flügel mal richtig auszuprobieren“, hielt es manche Gäste nicht mehr auf den Stühlen: Sie mussten einfach tanzen! So beim berühmten Honky Tonk Train Blues, der das erste Mal 1927 aufgenommen worden ist, zu einer Zeit, als die Dampflok noch das wichtigste Transportmittel war. Wie der Schaffner damals ließ der Pianist, der den Rhythmus vorgab, das Publikum rufen: „All on board“.

Helmut Lilge, aktives Mitglied im Scharwenka-Verein, der an diesem Abend moderierte und den Pianisten Frank Muschalle bereits zum achten Mal begrüßen konnte (Engelmeyer war das zweite Mal dabei) bedankte sich nach zwei Zugaben für den tollen Abend. Und noch einmal wurde herzlich applaudiert. Kein Abschied für immer: Am 20. Februar kommen Frank Muschaller & Co. wieder!