Der Kultur verpflichtet – ohne Glanz und Gloria

„Kaffeezeit“ mit Alexa Freifrau von Salmuth

Das Scharwenkahaus war auch zur letzten“ Kaffeezeit“ gut besucht. Alexa von Salmuth, als  „Chefin“ des Eibenhofes von Gerlinde Stobrawa zum Gespräch gebeten, entsprach mit ihrer offenen, freundlichen  Art so gar nicht den Klischees, die in den bunten Gazetten meist von Frauen ihrer Art  gezeichnet werden. Die Mittvierzigerin lebt mit ihrer Familie,  ihrem Mann und ihren vier Kindern, seit 2008 auf dem Eibenhof und genießt es, wie sie sagt, “ hier in der Natur zu Hause zu sein“.

Das erstmals 1423 urkundlich erwähnte „Gut Saarow“, wie der heutige Eibenhof ursprünglich genannt wurde,  hat eine lange Geschichte. Jahrhunderte Gutshof, dann ab 1919 Sanatorium und  1949 kaufte es der Kulturbund der DDR als Begegnungs-, Tagungs- und Erholungsstätte  für Kulturschaffende, insbesondere im Bereich der Literatur. Doch der Kulturbund war ab 2004  leider nicht mehr in der Lage, das Anwesen mit dem denkmalgeschützten alten Gutshaus zu erhalten und zu bewirtschaften. Es fehlten staatliche Förderung und auch die Einnahmen. So wurde es zum Verkauf ausgeschrieben. Gerlinde Stobrawa , damals Bürgermeisterin in Bad Saarow, erinnert sich „Niemand von uns wusste, was mit diesem Kleinod der Ortsgeschichte passieren sollte“.  Auch die Gemeinde sah sich nicht in der Lage, das Anwesen zu kaufen und zu bewirtschaften. Als sich Johannes von Salmuth  mit seiner  Frau um das Anwesen bewarb, stellte die damalige Bürgermeisterin Stobrawa klar: „Nur unter der Bedingung, dass auch künftig Kultur auf dem Eibenhof stattfindet“. Dies traf sich mit den Interessen der Familie von Salmuth. Alexa hatte schließlich Kultur- und Kunstgeschichte  studiert. Und so kaufte die Familie das Anwesen, hat es von 2005 bis 2008 denkmalgerecht saniert – mit allen Höhen und Tiefen, die ein solches Bauvorhaben mit sich bringt –  und bewohnt es heute mit Freunden, Mitarbeitern, 12 Pferden, eigenen und in Pension eingestallten, Hund und Feriengästen.   „Eigentlich wie in einer großen Kommune“, wie Alexa  sagt.

Und der Eibenhof ist wieder zum Kultur-Ort geworden. Regelmäßig finden in der 2012 neu errichteten „Kulturscheune“ gut besuchte Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen statt. Höhepunkt ist  das jährlich , über Saarow und die Region hinaus bekannte und geschätzte Filmfest „Filme Ohne Grenzen“ . Hier werden vor allem Filme gezeigt, die es in den großen Filmtheatern schwer haben, hier kann man mit Filmemachern ins Gespräch kommen. Und das alles ganz leger und familiär in der Scheune und auf dem Hof der Salmuths. Hochkultur – ohne Glanz und Gloria.