Vom elegischen Mozart-Stück bis Feuertanz des Spaniers de Falla

Der Peruaner Vladimir Valdivia zog vor ausverkauftem Haus wieder alle Register seines Könnens

Vladimir Valdivia spielt nach den Noten von Xaver Scharwenka dessen Polnische Tänze Op. 3 Nr. 1

Eigentlich wusste eine große Anzahl von Besuchern beim ersten Klavierkonzert in diesem Herbst in etwa schon, was sie erwartete. Denn es war bereits der zweite Auftritt von Vladimir Valdivia in der einzigartigen kleinen Kulturstätte in Bad Saarow. Und alle anderen Gäste erlebten den Pianisten so, wie der Ruf ist, der ihm vorauseilt – absolut hörenswert!

Nach jedem Stück zeigte sich Vladimir Valdivia sehr dankbar für den herzlichen Applaus
des Publikums.

Im ersten Teil seines Programms Stücke der großen Klassiker Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Franz Schubert und Frederic Chopin. Und den überwiegenden zweiten Teil widmete er den temperamentvollen Pianisten Spaniens und Mexikos. In deren Werken blitzte auch das südamerikanische Feuer von Vladimir Valdivia durch, das er am Bechstein-Flügel virtuos auslebte.

Der Beginn mit dem Adagio in h-moll von Wolfgang Amadeus, getragen und mit Pathos vom Pianisten vorgetragen. Auf Nachfrage bei Google die Information, dass diese Tonart in Mozarts Werken sehr selten vorkomme. Das Stück sei in einer schwierigen Phase entstanden, in der Mozarts finanzielle Situation sich verschlechterte und Wiener Aufträge ausblieben. Ein Glück für die Nachwelt, dass dieser Komponist in seinem nur kurzen Leben von 35 Jahren schon vorher viele weltberühmte Stücke hinterließ.

Über ein volles Haus freuten sich die Organisatoren des Vereins, weil sie wieder einmal
zu 100 Prozent den Geschmack des Publikums trafen.

Ehe Vladimir Valdivia sich der Romantik zuwandte, erklang von ihm noch von Ludwig van Beethoven das Rondo in C-Dur, das schon wieder mehr zum Träumen verleitete. Das Thema Romantik leitete Valdivia mit der Arabeske Op. 18 in C-Dur ein. Der Titel verrät schon, dass es sich hier um etwas Orientalisches, Verziertes handeln muss, dem man sich in seiner Leichtigkeit gern hingibt. Diesem folgten dann noch drei Impromptus von Franz Schubert, die schon wieder recht energisch daherkamen. Wenn prompt darin steckt, erwartet man etwa „sofort, gleich“. Und es ist – wieder Wissen aus dem Nachschlagen – ein kleineres, freier geformtes Instrumentalstück, das den Eindruck einer Improvisation erzeuge, aber doch einem festen Aufbau folge. Mit diesen entließ Vladimir Valdivia die Zuhörer in die Pause.

Blumen vom Verein für ein ganz besonderes Ehepaar unter den Besuchern: Waltraud und
Werner Meinert (beide 91 Jahre alt) aus Lindenberg begingen vor wenigen Tagen ihren
68. Hochzeitstag und waren total überrascht, dass sie unter großem Beifall geehrt wurden.

Nach besagter Pause wurden die Gäste zunächst mit der Nocturne Op. 9 Nr.2 in Es-Dur von Frederic Chopin erfreut, die – etwa übersetzt: Nachtstück – einen ruhigen, melancholischen Charakter hat. Ehe sich Vladimir Valdivia den spanischen und mexikanischen Komponisten widmete, in deren Stücken es meist temperamentvoll, ja ungestüm zugeht, erwies er dem „Hausherrn“ Xaver Scharwenka noch die Ehre. Auf dem Flügel erklangen die Polnischen Tänze Op. 3 Nr.1. Für Besucher, die diese schon vom selbstspielenden Welte-Klavier kennen, auf dem Xaver Scharwenka diese im Jahr 1905 eingespielt hat und die heute noch im Besuchersaal zu hören sind, war das auf dem Flügel gespielte Stück nun eine ganz besondere Erfahrung.

Großes Interesse am Bechstein-Flügel zeigte Hobby-Pianist Dr. Detlef Reichardt. Er war
mit seiner Frau Sabine – beide aus Berlin – und Schwiegermutter Elisabeth Kieser aus
Fürstenwalde, die ihren 89 Geburtstag gefeiert hatte, zum Konzert gekommen. Alle Drei
zeigten sich ebenfalls vom Konzert sehr beeindruckt.

Dann im letzten Teil des Konzerts die leidenschaftlichen Romanza und Etüde von Manuel Ponce, der Spanische Tanz Nr. 5 von Enrique Granados, Cuba, Malagueña und Legende von Isaac Albeniz. Und ganz zum Abschluss des Konzerts der Feuertanz von Manuel Falla. Dieser riss die Zuhörer angesichts der in atemberaubendem Tempo über die Tasten fliegenden Finger Valdivias zu Bravorufen hin. Mit einer Zugabe – einer eigenen Bearbeitung eines kleinen Stückes von Johann Sebastian Bach durch den Pianisten – verabschiedete sich der Künstler sehr erfreut über die Resonanz der Gäste und die freundliche Aufnahme des Vereins auf seinen Heimweg nach Frankfurt/Main.

Als Geschenkt des Vereins überreichte Waltraut Tuchen dem Gast eine Flasche Bad Saarow-Sekt –
nicht am Ort gekeltert, aber mit einem Etikett des Kurortes darauf erinnert es an Valdivias Auftrittsstätte.