Ein Künstler baut für Künstler-der Architekt Harry Rosenthal

Einblicke in das Schaffen eines vergessenen Architekten und die Verbindungen in die Gegenwart

„Oh, sie bringen uns eine Torte!“ -so wurden lachend die Akteure dieses Abends bei ihrer Ankunft im Scharwenkahaus begrüßt. Die „Baiser-Torte“ war der Entwurf eines Hauses mit einem weißen gerundeten Dach, welches aus dem Karton herausragte. „Wir dachten, wir sitzen hier im kleinen Kreis um das Modell herum und erzählen bei einem Glas Wein ein bisschen von unserer Arbeit“- so glaubten es am Anfang die Architekten Helene Peters und Emil Brechenmacher. Der Wein musste noch etwas warten, denn überraschend viele Gäste wollten sich den Vortrag über Harry Rosenthal von der Kunsthistorikerin Frau Professor Dr. Sylvia Claus und die Ausführungen über seinen Einfluss auf die moderne Architektur von den beiden jungen Leuten anhören. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Vereinsvorsitzende Vera Jaspers begrüßt die Gäste

Über die Künstlersiedlung am Dudel gibt es bereits mehrere Publikationen und eine interessante Webseite. Der Architekt einiger dieser Häuser war allerdings weitestgehend in Vergessenheit geraten und sein Werk sollte heute nun wieder gewürdigt werden. Anregung zu dieser Veranstaltung an diesem 1.Oktober im Scharwenkahaus und Kontaktvermittler war der Saarower Manfred Höhne, der sich mit diesem Thema bereits bestens auskennt.

In den 20er Jahren freundete sich Harry Rosenthal mit Künstlern der Berliner Sezession an. Für einige von ihnen war dann der Bau von Atelierhäusern am Dudel in der gerade aufstrebenden Landhauskolonie Bad Saarow geplant- Bruno Krauskopf, Wilhelm Kohlhoff, Willy Jaeckel und Josef Thorak. Runde plastische Formen, ein Haus, das sich mit der Landschaft verbindet, ein großer lichtdurchfluteter Innenraum, das zum See passende Reetdach- alles spezielle Merkmale der Atelierhäuser, die Rosenthal entworfen hatte. Die Saarower kennen das Thorak-Haus und die Krauskopf-Schmeling-Villa von außen. Nicht alle geplanten Projekte konnten dann verwirklicht werden. Überliefert sind noch Pläne der Kohlhoff-Villa-die dann im zweiten Teil eine Rolle spielten. Im Vortrag von Frau Prof. Dr. Claus wurden sehr viele interessante Informationen vermittelt und Beispiele seiner Arbeiten gezeigt, die Zeit reichte leider nicht, um dem Umfang seines Wirkens gerecht zu werden. Denn Rosenthal entwarf auch Innenräume, Möbel, hat in Berlin Häuser gebaut, die teilweise heute noch so erhalten sind. Er ist 1933 sofort emigriert, zunächst nach Palästina, später nach England und ist 1966 in London verstorben.

Im zweiten Teil des Abends führten uns die beiden Architekten Helene Peters und Emil Brechenmacher durch Bad Saarow und seine Entwicklung der ersten Jahre als Landhauskolonie und zeigten noch einmal einige Besonderheiten der Architektur. Interessant war, dass es damals in den 20er Jahren eine Verordnung gab, nach der jeder neue Bau zuvor von der Landhaus AG geprüft und genehmigt wurde. Damit prägte sie den Stil des entstehenden Ortes und verhinderte „Wildwuchs“.

Am Beispiel des damals geplanten und leider nie gebauten Kohlhoff-Hauses hatten die beiden dann einen Entwurf vorgestellt, der die alte und neue Architektur miteinander verbindet und die Ideen von Harry Rosenthal mit einfließen lässt. Man darf auf die weitere Entwicklung dieses Projekts und den hoffentlich wirkenden „Dosenöffner-Effekt“ gespannt sein- denn das wünschen sich Helene Peters und Emil Brechenmacher, dass der Stil Rosenthals auch in andere neue Projekte einfließen kann-was sicher für das Ortsbild eine große Bereicherung wäre.

Viel Erfolg!

Fotos: V. Jaspers, H. Barholz, K.Wiedemann

Manfred Höhne hatte die Idee und die Kontakte
Freunde der beiden Architekten aus der Studienzeit wollten auch mehr über das Projekt wissen und nutzen die Veranstaltung für ein freudiges Wiedersehen
Angeregte Gespräche im Anschluss-es wurde ein langer Abend