Scharwenka mit Klavier UND Flöte

Sontraud Speidel und Johannes Hustedt begeisterten mit musikalischer Rarität
Flötist Johannes Hustedt und Pianistin Sontraud Speidel in Aktion, die Vereinsvorsitzende Vera Jaspers hilft beim Umblättern der Noten. Fotos: Ruth Buder

Dass zwei Musiker aus dem 700 Kilometer entfernten Karlsruhe anreisen, um im Scharwenka Kulturforum Bad Saarow aufzutreten, ist schon etwas Besonderes. Etwas ganz Besonderes war aber auch ihr Kammermusikkonzert. Klavier und Flöte so harmonisch zu vereinen, das können nur Meiser ihres Fachs. Sontraud Speidel (Klavier) und Johannes Hustedt (Flöte) bewiesen nicht nur technische Präzision, sie spielten vor allem mit viel Herzblut. Zu Gehör wurden Werke von Ludwig van Beethoven (1770-1827) gebracht, dem Meister der Klassik und Wegbereiter der Romantik, der die Kompositionen von Xaver und Philipp Scharwenka zugeordnet werden. Zu Beethovens Zeiten war es nicht ungewöhnlich, dass seine Kompositionen auch mit Flöte gespielt wurden. Sontraud Speidel (Klavier) und Johannes Hustedt (Flöte) brachten als erstes die Serenade D-Dur Op. 41 in einer Version aus dem Jahre 1803 zu Gehör – 20 Minuten am Stück. Schon eine physische Meisterleistung! Bei den ausgewählten Stücken der Brüder Xaver (1850-1924) und Philipp Scharwenka (1847-1917) handelte es sich in der Kombination von Klavier und Flöte um Erstaufführungen. Die Bearbeitungen sind ganz aktuell und stammen vom Flötisten selbst.

Das Publikum war begeistert von dieser musikalischen Rarität – Scharwenka Kompositionen bearbeitet für Klavier und Flöte.

Angestachelt von seiner Duo-Partnerin habe er sich „die Scharwenkas vorgenommen“ und für Flöte bearbeitet, bekannte er in unterhaltsamen Worten vor einem interessierten Publikum.  Zu hören waren die Sonate in e-Moll für Pianoforte und Violoncello – ersetzt durch die Flöte – von Xaver Scharwenka und von seinem Bruder Philipp Romanze & Scherzo Op. 10 und Bacarole & Polonaise Op 52. Bei beiden Versionen handelt es sich um Erstaufführungen. Geradezu begeistert waren die Gäste von Hustedts flexiblem und facettenreichen Flötenspiel, das eine Leichtigkeit im Sinne von Improvisation spüren ließ, wobei sich Klavier und Flöte immer wieder trafen und zu einer Gemeinsamkeit fanden. Johannes Hustedt bestätigte diese Leichtigkeit, er sei nicht mehr nur Flötist, sondern könne sich mit der Melodiestimme über sein Instrument erheben.

Die begnadeten Künstler bedanken sich beim Publikum für den anhaltenden Applaus.

Die beiden renommierten Musiker, die bei internationalen Festivals und Wettbewerben weltweit unterwegs waren, hatten sich an der Hochschule für Musik Karlsruhe kennengelernt und arbeiten seit 2019 als Duo zusammen. Konzerttätigkeit und gemeinsame CD-Produktionen prägen ihre gegenwärtige Zusammenarbeit.  Während Sontraud Speidel in Bad Saarow keine Unbekannte ist, im Hotel Esplanade und im Scharwenkahaus schon mehrmals aufgetreten ist, war es der erste Besuch für Johannes Hustedt im Kurort. Beide freuten sich über den anhaltenden Applaus und legten zum Schluss noch eine Zugabe drauf.

Vera Jaspers, Vorsitzende des Scharwenka Kulturforums e.V., dankte ganz herzlich für dieses hochwertige Konzert, das die Namensgeber des Hauses dem Publikum auf eine ganz besondere Weise noch einmal näher gebracht hätten. Und Sontraud Speidel bekannte zum Schluss: „Ich habe mich in die Scharwenkas verliebt. Man muss sie spielen!“

Wiedersehen: Die Pianistin Sontraud Speidel und Renate Wachalski (r.) kennen sich seit vielen Jahren.

Besonders rührend war die Begegnung zwischen ihr und Renate Wachalski. Ihr bereits verstorbener Mann Peter Wachalski gilt als der Initiator der Scharwenka Stiftung und des Scharwenkahauses, das 2014 nach umfangreicher Sanierung wieder eröffnet worden ist. Seit dieser Zeit kennen sich die beiden Damen und lagen sich in den Armen.

Erinnerungsfoto zum Abschied nach einem wunderbaren Konzert: Renate Wachalski (M.) mit Sontraud Speidel und Johannes Hustedt.