
Gunter Fäth war hocherfreut über die vielen Besucher, „um den mal kennenzulernen, der so oft über ihnen schwebt“. In der Reihe „Hör mal zu“ stellte sich am 17. April der Leiter des DRF-Rettungsflugs, Standort Bad Saarow, und langjähriger Hubschrauberpilot den Fragen von Vereinsmitglied Waltraut Tuchen und den zahlreichen interessierten Gästen. Ja, bekennt er, Pilot zu werden, das sei schon immer sein Wunsch gewesen. Und in die Luft geht er nun schon seit 43 Jahren, seit 2010 am Standort Bad Saarow. In der DDR, in Neuruppin geboren, erkannte Gunter Fäth sehr schnell, dass er seinen Traumberuf nur über den Weg der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) sowie über eine militärische Laufbahn erreichen konnte. Nach dem Abitur besuchte er die Offiziersschule und flog Militärhubschrauber. Mit der politischen Wende musste sich der 29-jährige junge Familienvater wie Millionen anderer DDR-Bürger neu orientieren.

Eine „Kehrtwende“ zur Bundeswehr wollte er nicht, aber er nutzte den wachsenden Bedarf an Hubschraubereinsätzen für Unternehmen und bewarb sich mit Erfolg in der Privatwirtschaft. „Ich wusste, was ich kann, dass ich eine gute Ausbildung hatte und das nötige Selbstvertrauen“, sagte Fäth. 20 Jahre arbeitete er in Göttingen, dann wurde seine Firma von der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF ist eine gemeinnützige GmbH) übernommen. 2010 zog er nach Bad Saarow und wurde Leiter der DRF-Rettungsfliegerstaffel direkt am Helios-Klinikum. Zu seinem Team gehören 20 Beschäftigte, darunter sechs festangestellte Piloten und Notfallsanitäter. Die bei einem Rettungseinsatz mitfliegenden Ärzte werden vom Helios gestellt. Nur für einen Verletzten oder Erkrankten ist Platz im Hubschrauber. Der dürfe auch ein Gewicht von 130 Kilo nicht überschreiten, sonst werde das zulässige Gesamtgewicht überschritten. Geflogen werde von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, aber nichts nachts, in einem Umkreis von 50 bis 70 Kilometern. Laut Fäth verfügt Deutschland über ein „einzigartiges System der Luftrettung“. Bei Großschadenslagen könnten auch andere Anbieter wie z.B. der ADAC oder die Bundespolizei hinzugezogen werden.
Vor jedem Arbeitsbeginn wird der rot-weiße „Christoph 49“ technisch durchgecheckt, dann heißt es warten auf den Einsatz. Den Auftrag dafür erhält er mit präzisen Angaben von der Leitstelle in Frankfurt (Oder). Ja, auch auf unebenem Gelände, auf Brücken und Deichen sei er mit dem „hochinstabilen Gerät“ schon gelandet, antwortet er auf eine Frage. Nach 15 Jahren in der Region kenne er sich gut aus, bekennt Fäth, der im Übrigen die gute Teamarbeit mit der am Boden arbeitenden Feuerwehr lobt. Am Ort der Rettung habe der Pilot in erster Linie eine Sicherungspflicht, helfe aber auch mit, wenn Not am Mann sei. Immer wieder wird der erfahrene Pilot gefragt, ob er denn noch Angst habe, wenn er in die Luft gehe, was zu tun sei, wenn es technische Probleme während eines Einsatzes gebe oder Gewitter mit Blitz und Donner hereinbrächen. Gunter Fäth antwortet ruhig und besonnen, so stellt man sich ihn auch im Cockpit vor: Ein erfahrener Mann, der die Nerven behält, weiß, was er in schwierigen Situationen zu tun hat.

Nein, Angst vor dem Fliegen habe er nicht, aber immer wieder Respekt, denn „die Anforderungen sind sehr hoch“. Als aktuelles Problem nennt er die Zunahme von Drohnen. „Da ist allerhand unterwegs“, sagt Fäth. Der Regelungsbedarf bei der Separierung der Lufträume nehme zu, aber für den unteren Bereich, also bis 500 Meter Höhe, gebe es noch Nachholebedarf. Die Zuschauer haben viele Fragen und erfahren, dass alles, was im Cockpit gesprochen wird, aufgezeichnet werde, für Abseilmanöver der Saarower Hubschrauber nicht ausgelegt sei, für Nachteinsätze keine Genehmigung habe, dass Piloten strenger gesundheitlicher Kontrolle unterlägen, es keine Nachwuchsprobleme gebe und dass schon daran gearbeitet werde, Hubschrauber per elektrischer Batterie anzutreiben.

Nicht alle aufgenommenen Notfallpatienten würden ins Saarower Klinikum geflogen, der Arzt entscheide, welche Klinik die beste für ihn ist – Markendorf, Berlin oder Bad Saarow. Waltraut Tuchen sprach ihren Gast auch auf die kritischen Stimmen einiger Anwohner zum Hubschrauberplatz inmitten eines Wohngebietes an. Fäth erklärte, dass weder sein Unternehmen noch das Klinikum für diesen Landesplatz zuständig seien. Die Entscheidung über den Standort liege beim Land. Mitunter werde der Crew Willkür vorgeworfen, z. B. wenn sich lautstark die Propeller drehen, der Hubschrauber aber nicht abfliegt. Das komme vor, sagt Fäth und verweist auf die vielen Wartungsvorschriften und einzuhaltenden Parameter. Nichts passiere ohne Vorschrift und Nachweis. Wer kritisieren möchte oder Fragen habe, könne sich gern an ihn wenden.
Dass Menschen sich von einem Rettungshubschrauber gestört fühlen, kann der 74-jährige Werner Chudak aus Storkow überhaupt nicht verstehen. Er war zu dem Gesprächsabend gekommen, weil er Danke sagen wollte: „Genau heute vor einem Jahr hatte ich einen Unfall mit meinem Fahrrad und bin von einem Auto angefahren worden. Ich hatte eine Gehirnblutung und eine Überlebenschance von fünf Prozent.“ Werner Chudak ist sich sicher, dass ihm die schnelle Hilfe durch den Rettungshubschrauber das Leben gerettet hat. Denn nach Storkow braucht er nur etwa fünf Minuten.
Worte, die Gunter Fäth mit Freude und Genugtuung aufgenommen haben dürfte. Eine schöne informative Gesprächsrunde mit interessierten Gästen – und das kurz vor dem Abschied von seinem Heli. Der Pilot geht in wenigen Wochen in den Ruhestand. Wir wünschen alles Gute!
