
Ein schöner Anblick auf der Bühne
Gerlint Böttcher trat schon öfter im Scharwenka Kulturforum auf, doch in Begleitung von Fermin Villanueva war sie zum ersten Mal da. Beide Künstler gehören zu den Größen ihres Fachs. Die bekannte und weltweit gefeierte Pianistin und der aus Spanien stammende, leidenschaftliche Violoncellist waren vielversprechend angekündigt worden und die Gäste – der Saal war bis zum letzten Platz besetzt – waren äußerst gespannt.
Der Konzertabend begann mit „Salut d’amour“, eines der bekanntesten und leidenschaftlichsten Werke von Edward Elgar (1857-1937). Die Kombination aus Klavier und Violoncello erwies sich optisch wie klanglich während des gesamten Konzertes äußerst gelungen. Ein kurzer, gegenseitiger Blick – dann ging es los.
Harmonisch ihr Zusammenspiel, gleichberechtigt ihr musikalischer Dialog. Berühmte Komponisten schätzen seit Jahrhunderten diese Kombination, die die zwei Künstler mit Sonaten für Klavier und Violoncello von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms eindrucksvoll und voller Hingabe interpretierten – mal melancholisch, mal dramatisch, mal laut, mal zuückhaltend. Die Zuschauer konnten sich zurücklehnen, die Augen schließen und einfach nur genießen.

Als Solostücke kamen noch berühmte Werke von Claude Debussy (Klavier) und Gaspar Cassadó (Violoncello) zu Gehör. Und natürlich entließ das begeisterte und stark applaudierende Publikum Gerlint Böttcher und Fermin Villanuveva nicht ohne eine Zugabe von der Bühne. Mit dem temperamentvollen „Feuertanz“ von Manuel de Falla ging ein wunderbarer Kammermusikabend zu Ende. Diesmal hatten auch die Vögel zuhören dürfen, denn die Fenster standen wegen der Sommerhitze weit geöffnet und gaben den Blick auf den Garten frei. Eine ganz besondere Atmosphäre!

Besonders rührend war der Augenblick, als der fünfjährige Julius, der in Begleitung seiner Mutter das Konzert in der ersten Reihe mitverfolgte, dem Cellisten das Geschenk des Scharwenkahauses überreichen durfte. Der Junge lernt seit März diesen Jahres an der Musikschule Oder Spree in Fürstenwalde das Cellospiel. „Aber ich spiele auf einem Achtel-Cello“, erklärte der junge Mann. Ein Achtel-Cello ist wesentlich kleiner und für junge Einsteiger gebaut. Die Mutter sagte, sie fördere das Talent ihres Jungen, weil er großes Interesse an der Musik zeige und mit Freuden lerne.

Unter den Gästen befand sich nicht nur die ehemalige Kindergärtnerin von Gerlint Böttcher, die in Briesen (Mark) aufgewachsen ist, sondern auch ihre Mutter Ingrid Böttcher, die heute in Fürstenwalde lebt. Ihre Tochter, so erzählt sie, habe bereits mit fünf Jahren mit dem Klavierspiel an der Fürstenwalder Musikschule begonnen. „Wir hatten eigentlich nur an ein bisschen Hausmusik gedacht.“ Heute ist sie mächtig stolz auf ihre Tochter und ihre großartigen Auftritte. Stolz war auch Fernando Villanueva, der Vater des Violoncellisten. Er war aus Spanien angereist, um seinen Sohn in Deutschland zu besuchen.

