
Veranstaltungen unter freiem Himmel zu organisieren, bedeutet gleichzeitig wettermäßig von einem Risiko ins nächste zu stolpern. So geht es auch den Ehrenamtlern des Scharwenka-Vereins, die vor ihren zahlreichen Kurkonzerten dieses Sommers im Garten von tropisch heiß bis plötzlich einsetzendem Regen schon alles durchmachten und meisterten. Der jüngste Nachmittag hingegen ließ mit Wind und Temperaturen, die im August bereits den Hauch von Herbst trugen, den einen oder anderen Gast zur Jacke greifen.

Dafür, dass aber unter dem Blätterdach der hohen Bäume noch niemand wirklich frieren musste, sorgten die drei Ladies der Blues-Band Rag Doll. Sängerin Käthe von T., die mit ihrer rauchig-tiefen und durchdringenden Stimme zur Not auch ohne Mikrofon auskommt, Pianistin und Sängerin Amy Protscher sowie Ulrikke Hanspach-Torkildsen, stimmgewaltig an der Posaune und ebenfalls singend, verbreiteten vom ersten Ton musikalische Wärme – so wie auch schon bei ihren Auftritten in den vergangenen Jahren. „Übrigens“, so die Information der immer zu einem flotten Spruch aufgelegten Käthe von T. in Bezug auf ihren letzten Besuch in Bad Saarow: „Eine neue Hüfte später sind wir wieder hier.“ Und meinte noch, dass sie doch jetzt eine gute Partie sei mit viel Platin in ihrem Körper.

Die drei musikalisch sehr versierten Damen waren mit in ihrem neuen Programm „Wir feiern 100 Jahre Classic female blues“ nach Bad Saarow gekommen. Die neue CD ist noch nicht auf dem Markt, aber ihre selbst komponierten Titel darauf bekamen die Zuhörer sozusagen schon exklusiv zu hören. In all ihren Stücken des neuen Programms, des klassischen weiblichen Blues, ist die tiefe Verehrung für die „Kaiserin des Blues“ Bessie Smith zu spüren. Im Jahr 2012 wurde die Band gegründet von Käthe von T. und Amy Protscher. Da hatten sich zwei gefunden, die im wahrsten Sinne der Musik der 1920 Jahre verfielen, die auch solche Musikgrößen wie Ethel Waters, Ma Rainey und Alberta Hunter hervorbrachte. Wie diese Stars des Blues verarbeiten die Band-Mitglieder in ihren Titeln ebenso Geschichten, die das Leben schreibt oder in denen sie selbst vorkommen. So etwa in „We`ll rock`n this house“, dem ein Erlebnis von Amy Protscher zugrunde liegt, die in einem Hotel Wand an Wand mit einem Paar schlief, das seine Flitterwochen erlebte. Dieses war offenbar recht heftig zugange, rockten also das Haus, so dass plötzlich in Amys Zimmer eine Bibel aus einem Regal fiel. So in etwa erklärte Käthe von T. den Song, da das Abitur-Alltags-Englisch der Autorin leider für die Übersetzung nicht ausreichte.

Ein anderer Titel „Hands off Piano“ geht auch auf das Konto der Pianistin. Er entstand, nachdem ihr einst jemand erklären wollte, wie man Boogie-Woogie am Klavier spiel, weil er ihre Art als nicht richtig empfand. Das kränkte sie jedoch in ihrer Ehre. Deshalb musste sie danach unbedingt spielen und singen: „Hände weg vom Piano“, was die Drei bei ihrem Auftritt lautstark interpretierten.

Wie wohl sich die drei Musikerinnen im Scharwenka-Garten – auch mit großem Lob für die neue Bühne – beim Verein und vor allem mit den Zuhörern fühlen, spürte man, als sie die Gäste nicht nur zum Mitklatschen, sondern auch Mitsingen und schließlich das oft etwas reservierte Publikum sogar zum Mittanzen brachten. Dass Käthe von T. zum Abschied die Besucher abklatschend durch die Reihen ging, hatte schon etwas von einem sehr persönlichen Band zwischen Künstlern und Publikum.

