
Eigentlich waren die „Wilden Witwer“ aus Berlin angekündigt. Im inszenierten Strandcafé auf der Scharwenkabühne wollten sie lustige Songs aus den 1920er/30er Jahren zum Besten geben. Doch zwei Tage vor dem Auftritt war der Pianist erkrankt, das Duo musste absagen. Was tun in der Kürze der Zeit? Das Kurkonzert ausfallen lassen oder ganz schnell Ersatz finden. Zum Glück gibt es Künstler ganz in der Nähe, Künstler, die das Scharwenkahaus schon aus vorherigen Auftritten kannte: den Sänger Jan Preuß und den Pianisten Steffen Rose. Beide überlegten nur kurz und sagten zu. Die Organisatoren des Kurkonzertes waren erleichtert und über alle möglichen Kanäle wurden die Gäste über die Programmänderung informiert.

Denn, das muss man an dieser Stelle auch sagen: Preuß und Rose boten ein echtes Kontrastprogramm zu den „Wilden Witwern“. Während bei diesen Spaß und Alberei im Badekostüm im historischen Badekostümen im Vordergrund gestanden hätte, kam das Duo Preus/Rose mit vorwiegend ernsten, nachdenklich und melancholischen Songs daher. Im vollbesetzten Scharwenkagarten sang Jan Preuß, begleitet von dem tollen Pianisten Steffen Rose, mit seiner markanten, ausdrucksstarken Stimme von der Liebe und ihren Leiden, vom Tod, vom Krieg und der Sehnsucht nach Frieden. Bekannt ist er unter anderem für seine Interpretation der Musik von Rio Reiser, der Band Ton Steine Scherben, von Hans Hartz oder dem italienischen Songwriter Angelo Branduardi.

In diesen Liedern vermittelt er auch politische Botschaften, wenn er singt „Die weißen Tauben sind müde, die weißen Tauben fliegen nicht mehr“ – und zum Abschluss im Hintergrund Steffen Rose das Lied von der „Kleinen weißen Friedenstaube“ erklingen lässt. Jan Preuß kommentierte, was er sang und erinnerte daran, „dass es uns ziemlich gut geht“, aber nicht allen Menschen auf dieser Welt. Und dass wir ziemlich machtlos sind, dies zu ändern. Mit „Komm her Marie, schenk noch mal ein, denn so wie heut‘ wird’s nie mehr sein“, erzeugte er in der Ruhe des grünen Scharwenkagartens echte Gänsehautmomente.
Aber auch zum Mitsingen waren Songs dabei. So die „Capri-Fischer“ mit ihrem „Bella, bella, Marie“, bei dem die Liebe zur italienischen Sprache des Duos deutlich sichtbar wurde. Jan Preuß bekannte, dass er gern mal bei einem Konzert in Italien auftreten würde. Zwei weitere Alben werden die beiden Musiker, die seit 15 Jahren gemeinsam auftreten, demnächst herausbringen – in deutsch und italienisch. Zum Schluss erklang dann noch der weltbekannte Song von Leonard Cohen, dessen „Halleluja“ das begeisterte und reichlich applaudierende Publikum mitsingen konnte.
Auch wenn einige wenige Gäste vielleicht lieber die „Wilden Witwer“ erlebt hätten, blieben sie auf ihren Plätzen und ließen sich auf das veränderte Programm ein. Etliche Gäste waren aber auch nur gekommen, um Preuß und Rose zu hören. So ist das mit den Geschmäckern.
