„Felsenstein duldete keine Schlamperei“

Vergnügliche Begegnung in Wort und in Filmausschnitten mit dem Werk des berühmten Intendanten der Komischen Oper Berlin

Das hat es im Scharwenka Kulturforum noch nie gegeben: Dass eine Veranstaltung begann, ohne dass ein Vereinsmitglied den Künstler begrüßt und vorgestellt hatte. Erstmalig brachte der stimmgewaltige Christoph Felsenstein es fertig, sofort die Regie zu übernehmen, ehe Gerlinde Stobrawa das Wort ergreifen konnte. Dafür entschuldigte er sich zum Abschluss charmant mit einem Handkuss und einer Umarmung bei ihr für sein ungestümes Vorpreschen.

Charmanter Handkuss als „‚Wiedergutmachung“für Christoph Felsensteins voreiligen Beginn

Mit dieser Aktion allerdings bekamen die Zuschauer gleich eine Vorstellung davon, was sie erwarten konnten: Einen nicht nur laut und vernehmlich agierenden Künstler auf der Bühne, den nicht einmal die Schwierigkeiten beim Umgang mit dem Laptop aus der Ruhe bringen konnten, sondern ein eloquent und faktenreich erzählender Sohn eines berühmten Intendanten und Opernregisseurs.

Christoph Felsenstein hat es sich zur Aufgabe gemacht – und dazu auch noch einen Verein gegründet, von dem einige Mitglieder ebenfalls nach Bad Saarow gekommen waren – das unglaubliche Schaffen seines Vaters, sein Erbe zu bewahren und auch der heutigen sowie künftigen Generationen erlebbar zu machen. In den 28 Jahren, die Walter Felsenstein die von ihm 1947 gegründete Komische Oper in Berlin leitete, schuf er mit solchen Aufführungen wie „Ritter Blaubart“, „Hoffmanns Erzählungen“ oder „Othello“  Operngeschichte und mit „Fidelio“ auch den ersten Opernfilm. Allerdings waren die Aufnahmen aus den frühen 50er und 60er Jahren inzwischen in so schlechter Qualität, dass man sie sich nicht mehr anschauen konnte. Mit den heutigen modernen  Methoden und großzügigen Sponsoren gelang es Christoph Felsenstein durch die Spezialisten einer Hallenser Firma die Filme wieder in ansehnlicher Qualität zu bearbeiten.

Nahezu besessen von seiner Aufgabe als Intendant arbeitete Walter Felsenstein mit seinen Künstlern auf der Opernbühne, von denen er höchste Qualität abverlangte, wie er sie auch in seine Vorbereitungen und Regiearbeit legte. „Schlampereien ließ Felsenstein “ nicht zu, sagt dann auch der Sohn über seinen Vater.  Im Verlauf des gut anderthalbstündigen Vortrages von Christoph Felsenstein kamen die Zuhörer in den Genuss solcher Filmausschnitte wie aus „Fidelio“ – noch in Schwarz-Weiß – oder auch von „Ritter Blaubart“ oder „Hoffmans Erzählungen“, lauschten der Barcarole oder dem Lied von Klein-Zack aus letztgenannter Oper.

Szene aus „Ritter Blaubart“

 

Aus dem Opernfilm „Fidelio“, zu seiner Zeit noch in Schwarz-Weiß

 

„Hoffmanns Erzählungen“

Wie groß das Interesse an den Werken Walter  Werken  Walter Felsensteins heute noch ist, bewies eine Familie, die extra aus Bremerhaven zu dieser Veranstaltung nach Bad Saarow gekommen war. Beatrix Fromm hatte ihrem Vater Heinrich, der am Mittwoch vor der Veranstaltung 88 Jahre alt geworden war und der auch seine Frau Martha mitgebracht hatte, diesen Besuch geschenkt. „Seit ich in den 50er Jahren Othello von Felsenstein gesehen hatte, war ich begeistert und sah jede Inszenierung von ihm.“ Auf die Frage, ob er musikalisch vorgeprägt sei, sagte er: „Überhaupt nicht, ich war Lehrer von Beruf. Aber so opulent, mit so einer Qualität, wie Felsenstein Opern auf die Bühne brachte, war das einmalig.“ Selbstredend ließ er sich seine Felsenstein-Edition vom Felsenstein-Sohn im Anschluss der Veranstaltung signieren. Und sagte, zur großen Freude von Vereinsvorsitzenden Reinhard Kiesewetter, dass er auch Mitglied des Scharwenka-Vereins werden möchte.

Heinrich Fromm ist ein ausgemachter Liebhaber der Opern Felsensteins. Er ließ sich ein Buch vom Felsenstein-Sohn signieren.