Genussvolles Sezieren einer Oper

Musikalisch untermalter Vortrag von Dr. Bettina Gößling über die Oper "Die Hochzeit des Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart sorgt für manchen Aha-Moment der Zuhörer

Ach ja, das wäre schön, wenn man diese Kenntnisse immer beim Sehen und Hören einer Oper hätte, mag sich wohl manch einer der Gäste gedacht haben, die den mit vielen Hörbeispielen garnierten Vortrag der Berliner Musikwissenschaftlerin Dr. Bettina Gößling bei der kürzlichen „Kaffeezeit“ erlebten.

Während der Hörbeispiele konnten die Besucher auf der Leinwand den gesungenen Text mitverfolgen und die musikalische Größe Mozarts erkennen. In dieser Arie nimmt sich Figaro den lüsternen Grafen vor, degradiert ihn zum Gräfchen und droht ihm an, alle seine Machenschaften zu Fall zu bringen

Sicher weiß mancher im Großen und Ganzen über den Inhalt des von Dr. Bettina Gößling präsentierten Werkes „Die Hochzeit des Figaro“ des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart Bescheid. Doch sowohl die Entstehungsgeschichte dieser später vielfach aufgeführten Oper, als auch ihr Inhalt kam in einer Zeit des Umbruchs einem Tabubruch gleich. Nicht nur die reichlichen Irrungen und Wirrungen der eigentlichen Story waren zu der Zeit unkonventionell, sondern auch die politischen Rahmenbedingungen zeigten sich Mozarts Thema nicht wohlgesonnen. So spiegelt der Komponist in seinem Werk, das auf einem Schauspiel von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais basiert und für das der als genial geltende Textdichter Lorenzo da Ponto das Libretto schrieb, die Auflehnung der unteren Stände gegen den verruchten Adel wider. Napoleon ließ seinerzeit verlauten, die spätere französische Revolution von 1789 wurde schon 1784 mit dieser Oper in Gang gesetzt. Kein Wunder, dass Kaiser Joseph II. die Oper zunächst verbot. Nach einer Unterredung mit Mozart versprach der Komponist, alles Anstößige zu streichen und bemerkte: „Was nicht erlaubt wird zu sagen, wird eben gesungen“.

Das Publikum sparte nicht mit Beifall für die Musikwissenschaftlerin, dank deren Erläuterungen und den ausgewählten Arien sie die Oper „Die Hochzeit des Figaro“ nun mit viel mehr Wissen genießen würden können.

Schließlich wurde die Oper am 1. Mai 1768 im Wiener Burgtheater mit grandiosem Erfolg aufgeführt. Und das lag dann sicher auch an den unglaublichen Verstrickungen der handelnden Personen, die eine sehr turbulente Szenerie auf die Bühne brachten: Der hinterlistige Graf Almavia, der es so einrichtete, dass zwischen seinem Zimmer und das seiner Gattin genau das des Figaro und seiner künftigen Braut Susanna war. Die Kammerzofe Susanna erkannte aber sofort das Ansinnen des Grafen, dass er sich ihr in Abwesenheit ihres Freundes Figaro nähern kann. Das daraus von Susanna und Figaro unter Mitwisserschaft der Gräfin entwickelte Verwirrspiel, um den Grafen zu entlarven, gewinnt schließlich so eine Dynamik, in der auch noch der junge Schönling und Liebhaber aller Frauen Cherubino eine tragende Rolle spielt und in welcher der Graf fast hinter das Geheimnis der um ihn herum agierenden Personen kommt.

Bettina Gößling gelang es mit ihrer Auswahl der Arien und ihren Erklärungen dazu fabelhaft, dass sich die Zuhörer lebhaft in das große Theater im Hause von Graf und Gräfin hineinversetzen konnten.

Glücklicherweise wird das ganze Knäuel der Verwicklungen zu einem guten Schluss geführt: Figaro kann seine Susanna heiraten, Graf und Gräfin haben sich nach der gewährten Vergebung durch die Gräfin auch wieder lieb, und auch der liebestolle Cherubino findet in Barbarina, der Gärtnerstochter auch die Richtige, so dass am Ende alle in höchsten Tönen singen können: „Ach, so werden wir alle zufrieden sein“.

Und das Scharwenka Kulturforum hatte mit diesem Nachmittag auch einen würdigen Beitrag im Jahr der 270. Wiederkehr des Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart in seinem abwechslungsreichen kulturellen Programm.

Eine neue Besucherin des Hauses war Barbara Lewandowska ( Foto links) aus Fürstenwalde. Die gebürtige Polin ist tätig als Deutschlehrerin für ausländische Mitbürger. Sie war sehr angetan von dem Nachmittag und möchte gern zu weiteren   Veranstaltungen  wiederkommen.