Tango – das ist Herz, Schmerz, Seele und Leidenschaft
Einen kleinen Eindruck davon konnten wir zum 2. Gartenkonzert der Saison am 27. Juni auf der neuen Bühne des Scharwenka-Gartens miterleben.
Und das am bisher heißesten Tag der Wetter-Aufzeichnung. Das Thermometer in Bad Saarow zeigte am Nachmittag bis zu 38 Grad an!
Aber wer den Tango liebt – der lässt sich von der Hitze nicht abhalten. Über 70 Gäste erlebten einen schönen, entspannten Nachmittag unter schattigen Bäumen und mit exzellenter Tango-Musik. Die neue Gartenbühne bildete dafür den passenden Rahmen.
Unsere Mitglieder des Vereins sorgten wie immer zuverlässig für ausreichend kalte Getränke, Kuchen und Kaffee.

Das Ensemble Tango Projekt setzt sich zusammen aus der Berliner Sängerin Suzanna de Fockert, Alice Dixon am Violoncello, sowie dem Wahlberliner Gerhard A. Schiewe am Akkordeon.
Ihre gemeinsame Leidenschaft ist der Tango mit all seinen klangreichen Facetten. Neben dem klassischen, oft melancholischen Tango erklangen auch seine schwungvolle Schwester, die Milonga, sowie der Walzer im Dreivierteltakt. Die Arrangements stammen aus der Feder des Akkordeonisten und sind dem Ensemble auf den Leib geschrieben.

Sängerin Suzannas Mutter wurde in der Hauptstadt Aserbaidschans, in Baku, geboren. Ihr Vater stammt aus Deutschland. Hier kam Suzanna einige Zeit später zur Welt. Die ersten 5 Lebensjahre verbrachte sie in Damaskus, zur Schule ging sie in Berlin, in den Ferien besuchte sie Babuschka und Deduschka in Belorussija, und ihre Großeltern im Erzgebirge. Ihre Biografie ist von vielen kulturellen Wurzeln geprägt.
Sie hörte Romalieder, spürte den Schmerz, die Freude, die Sehnsucht. Suzanna begeisterte sich für all das und sie sang all das, mit sicherem Gespür für Rhythmus und Gefühl. Es trieb sie oft nach Paris, wo sie mit Emigranten auf Pariser Plätzen, in Cafés und schließlich auch in Theatern und Clubs auftrat. Dann lebte sie einige Zeit in Barcelona und kam schließlich zurück nach Berlin. Geprägt von vielen Kulturen ist Suzanna de Fockert eine der wichtigen, schönen Stimmen der Weltmusik im heutigen Berlin. Und so passt der Tango – diese unnachahmliche Mischung verschiedener kultureller Einflüsse Europas, Lateinamerikas und Afrikas, entstanden mit der Auswanderung Ende des 19. Jahrhunderts in den ärmeren Stadtteilen von Buenos Aires, perfekt in ihr Repertoire. Der Beweis dafür, dass Vielfalt zur kulturellen Bereicherung beitragen kann.

Begleitet wird das Trio von Janine Lange und Maria August, die den Tango auch tänzerisch präsentierten. Ein Tanzpaar , das in der Berliner Tangoszene einen Namen hat.

Diese Musik aus den Kulturen der Völker Europas, Afrikas und Latein-Amerikas, vor ca. hundert Jahren in den armen Vorstädten Argentiniens entstanden, zieht bis heute mit ihrer Mischung aus Tragik und Leidenschaft die Menschen in ihren Bann.
Eröffnet wurde das Konzert mit dem legenderen Titel des berühmtesten argentinischen Tangosängers Carlos Gardel – Volver !
. . . Zurückkehren, mit welker Stirn,
der Schnee der Zeit versilbert meine Schläfen,
Fühlen, dass das Leben ein Hauch ist,
dass zwanzig Jahre nichts sind, dass der fiebrige Blick dich,
in den Schatten umherirrend, sucht und ruft.
Leben, mit einer Seele, die sich an einer süßen Erinnerung
festklammert und die mich erneut zum Weinen bringt. . . .
Der Tango kehrte auch nach Europa zurück und erfreut sich hier, über hundert Jahre nach seiner Entstehung in Argentinien, zunehmender Beliebtheit.
Und so waren auch ein finnischer und ein niederländischer Tango zu hören und die deutschen Titel: „Liebe war es nie . . “ und „Roter Mohn, warum welkst du denn schon. . .“

Das weckte bei den Zuhörerinnen starke Emotionen. Eine Besucherin war nach dem Konzert zu Tränen gerührt.

Sie würde sich wünschen, dass im Scharwenkahaus öfter diese Musik erklingt – und dass man vielleicht den Tango hier auch erlernen und tanzen kann.