






Es sollte ein sehr fröhlicher Nachmittag mit der Entertainerin Marika Born, der Kleenen aus Berlin, werden, die mit ihrem Programm „Big Helga – unverjessen!““ an ihr großes Idol Helga Hahnemann erinnert und ihr für immer ein Denkmal setzen möchte. Das wurde es schließlich auch, aber erst nach einigen Schockminuten für die Organisatoren. Denn die bis unmittelbar vor Veranstaltungsbeginn funktionierende Technik setzte prompt mit den ersten Tönen der Künstlerin aus – das Mikro brachte keinen Ton hervor. Aber die für die Verantwortlichen nervenaufreibende halbe Stunde zur Behebung des Problems quittierten die Besucher mit viel Verständnis und nicht nachlassender guter Laune. Wie gut sie drauf waren, bewiesen sie dann bei fast allen Liedern, die Marika Born vortrug, mit textsicherem Mitsingen. Gewiss trug dazu auch bei, dass sie sich bei dieser „Kaffeezeit“ in Scharwenkas Wohnzimmer vorher mit Kaffee und leckerem Kuchen stärken konnten, die von den emsigen Vereinsmitgliedern am Tresen verkauft wurden.Die mit 1,53 Metern noch fünf Zentimeter kleiner als Helga Hahnemann daherkommende Marika Born interpretierte mit Unterstützung vom „Band“ die in mehreren Jahrzehnten zu echten Gassenhauern gewordenen Lieder der Berlinerin Helga Hahnemann mit sehr ähnlich klingender Stimme – trotz einer Erkältung, wie sie gestand – und vor allem mit großem Körpereinsatz. Helga Hahnemann, war ein echtes Berliner Original, nicht nur wegen ihres Dialekts, sondern auch wegen der unverkennbaren Liebe zu ihrer Stadt. Ihre Titel wie „Jetzt kommt die Süße“, „Dicke da“ oder ihre Ode an ihre Heimatstadt „Berlin, du bis die Größte…“ ließen sogar etwas Wehmut an die leider schon im Jahr 1991 viel zu früh verstorbene Sängerin aufkommen, die im schönsten Sinne eine Volksmusikerin war. Und welchen Stand sie auch bei den Polit-Oberen hatte, zeigt eine Geschichte, die Marika Born zum besten gab. Als der Friedrichstadt-Palast 1984 eingeweiht wurde, sollte Helga Hahnemann ebenfalls auftreten. Da aber Erich Honecker in der ersten Reihe saß, sollte sie die Textstelle in ihrem Lied über Berlin, wo die Verkäuferin beim „Koofmich umme Ecke “ die „arschfrischen Eier ins Zentralorgan einwickelt“, nicht singen. Helga Hahnemann jedoch blieb hart: „Entweder ick singe det oder jar nich!“ Das wollte auch keiner riskieren – sie sang es. Und Erich Honecker soll sich vor lachen auf die Schenkel geklopft haben. Seither schallte dieses Lied auch bei allen Mai-Demonstrationen entlang der Protokollstrecke des Zuges aus den Lautsprechern.Weil es nach dem Tod von Helga Hahnemann keine richtige Gedenkhymne an diese Ausnahmekünstlerin gab, setzte sich Marika Born mit ihrem Texter Max Hägart und dem Komponisten Arnd Bause in Verbindung. Sie brachten den Titel „Ach, Henne, wir vermissen Dir“ heraus, den auch Marika Born an diesem Abend sang. Und schließlich wurde in Berlin-Köpenick im April 2024 endlich auch eine Straße nach dem „kleenen Menschenkind“ Helga Hahnemann benannt.
Marika Born unterhielt an diesem Nachmittag nicht nur die Besucher bestens, sondern zog die Gäste nach deren freudigen Mitsingen und angesichts der freundlichen Atmosphäre im Scharwenka-Haus und rundherum vollends auf ihre Seite, als sie beim Abschied begeistert sagte: „Berlin kann doch nur`n Vorort von Bad Saarow sein!“

