Zu Gast: „Mr. Bean“ aus Brandenburg

Imker-Profi Holger Ackermann spürt Honig manchmal wie "Sex auf der Zunge"
Holger Ackermann, „oberster Imker“ im Land Brandenburg, beim Gespräch vor sehr interessierten Gästen mit Vereinsmitglied Ruth Buder

Holger Ackermann kann viel erzählen.  Und nicht nur viel, sondern auch sehr gut – über die Bienen im Allgemeinen und im Besonderen, über „Maja und ihre wilden Schwestern“, wie er sein Programm nennt. Denn der Obmann für Öffentlichkeitsarbeit des Imkerverbandes des Landes Brandenburg ist viel unterwegs – auf den Grünen Woche (in diesem Jahr war er das 23. Mal dabei) und in Schulen („für die frühkindliche Entwicklung“) – und nun auch im Scharwenka Kulturforum. Er passt gut in die Talk-Reihe „Hör mal zu“, denn zu diesem Format werden vorwiegend lokale Prominente eingeladen. Auf der Bühne des Scharwenkahauses berichtete der gelernte Möbeltischler (in diesem Beruf arbeitet der 63-Jährge auch noch), wie er zum Imkern gekommen ist. So konnte jeder Besucher an dem Abend nachverfolgen, wie er sich zu einem echten und viel gefragten Fachmann entwickelt hat. Holger Ackermann erzählt von dem Bienenschuppen in der Nachbarschaft, von dem immer noch „so ein Duft“ ausging,  als er längst zum Fahrradschuppen geworden war und wie er als Kind voller Begeisterung das erste süße Wabenstück gegessen hat. Doch erst als er 40 Jahre alt war, kam er zur Imkerei – und das mehr durch Zufall, weil eine Familie aus Philadelphia ihm die ganzen Imker-Utensilien überlassen hat.  Mit drei Völkern hat er angefangen, jetzt besitzt er 20. „Echten Deutschen Honig“ produziert er mit ihnen auf dem Zeidlerhof in Groß Schauen in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Ackermann erzählt, dass die Imkerei in den letzten Jahren eine freudige Entwicklung genommen hat, auch dank der finanziellen Unterstützung der Brandenburger Landesregierung. Die Zahl der Imker sei von 1700 auf 3200 gestiegen. Dennoch würde die heimische Produktion nicht ausreichen, die Deutschen seien schließlich  Weltmeister im Honigessen, vertilgen durchschnittlich ein Kilo pro Jahr. Da die heimischen Imker nur 20 Prozent des deutschen Bedarfs decken würden, müsste Honig importiert werden. Weltweit gäbe es fünf große Händler, die die süße Masse aus verschiedenen Ländern zusammensammelten. Der Honig aus dem Supermarkt sei per se nicht schlecht, aber sehr oft würden Verbraucher getäuscht, weil es an Informationen mangele. Es komme vor, dass Honig mit billigerem Reissirup gestreckt werde. Das sei zwar kein Gift, aber der Kunde würde betrogen. Einheimischer Honig vom Imker würde streng kontrolliert, Labore untersuchten auf Fremdstoffe und prüften, ob das, was drauf steht, auch drin ist. „Wenn Lindenhonig auf dem Etikett steht, muss der Honig mindestens zu 60 Prozent aus der Lindenblüte kommen“, so Holger Ackermann. Er geht so gar soweit, dass er sagt: „Imker stehen mit einem Bein immer im Knast.“

Friedemann begleitete den Talk musikalisch – bei der „Tarantelle“ von Xaver Scharwenka hörte man quasi die Bienenschwärme durch die Luft fliegen.

An Informationen kann er nicht genug bekommen. Zurzeit beteiligt sich der umtriebige Groß-Schauener an einem Projekt im Senegal, um den dortigen Imkern zu helfen, ihre Honigernten effektiver zu machen. Durch Vertreibung und Flucht sei hier über Jahrzehnte Wissen verloren gegangen.  Zwei mal im Jahr könne in dem westafrikanischen Land Honig geerntet werden. „Wir geben dort Hilfe zur Selbsthilfe und lernen selbst dabei sehr viel.“

Imker unter sich: Nach der Veranstaltung noch eine Fachsimpelei mit Holger Ackermann

Außerdem lässt sich Holger Ackermann gerade zum Honig-Somelier ausbilden, der mit allen Sinnen – Geruch, Geschmack, Konsistenz und Farbe – erkennen kann, um was für einen Honig es sich handelt. Den Test machte er mit einigen Gästen nach dem offiziellen Teil: Er ließ sie eine ganz neue Honigsorte probieren: Spargelhonig. „Mr. Bean“, der in Brandenburg oft so humorvoll genannt wird, hat für sich als Lieblingssorte den kräftigen Buchweizenhonig entdeckt. Er rieche etwas streng, ein bisschen nach Stall, aber letztendlich wirke er wie „Sex auf der Zunge“.

Roswitha Ackermann unterstützt aktiv die Leidenschaft ihres Mannes und verkauft im Scharwenkahaus Produkte vom Zeidlerhof in Groß Schauen. Fotos: Genschmar (3) und Buder (3)

Nach der Veranstaltung hatten die Gäste noch die Möglichkeit, Produkte vom Zeidlerhof Groß Schauen zu erwerben. Dafür hatte Holger Ackermann seine Frau Roswitha mitgebracht, die das zeitaufwändige Hobby ihres Mannes unterstützt.

Musikalisch begleitet wurde das Gespräch – wie sich das in einem Musikermuseum gehört – von Friedemann Mewes. Der ehrenamtliche Klavierspieler intonierte ein Stück von Felix Mendelssohn Bartholdy und die „Tarantelle“ von Xaver Scharwenka. Man hörte förmlich die Bienenschwärme durch die Luft sausen.

Zum Schluss gab es noch Tipps zur Behandlung eines Bienenstichs: den Stachel und die Giftblase mit den Fingern rauskratzen (rausziehen ist schwer und eine Pinzette oft nicht zur Hand) und mit warmem (!) Wasser „kühlen“. Ein sehr interessiertes Publikum, das viele Fragen gestellt hatte, dankte Brandenburgs Bienen-Botschafter mit einem herzliche Applaus.