Leidenschaftliche Sängerin + exzellente Musiker = Spanish Mode

Wenn ein Gartenkonzert in Scharwenkas Wohnzimmer stattfindet, kann es schon ziemlich kuschelig werden

Ruth Buder begrüßte die sehr große Schar der Gäste.

Frei nach Erich Kästners Gedicht „Atmosphärische Gefühle“ mussten die Organisatoren und fleißigen Helfer des Scharwenka Kulturforums beim letzten Kurkonzert dieses Jahres entscheiden: Raus mit de Stühle oder rin mit de Stühle – oder was? Man entschied sich wegen des drohenden Regens für die Stühle drinnen, wo dann wegen des Besucherandrangs aber auch jedes vierbeinige Sitzmöbel gebraucht wurde und es recht kuschelig wurde. Auch auf Kuchen und Kaffee sowie andere Getränke mussten die Gäste nicht verzichten, weil die geübten Vereinsmitglieder wieder einmal flink im Umorganisieren waren, und es alles vor dem Haus und drinnen gab.

Sie hatte durch ihre unglaubliche Präsenz und Stimmgewalt die Zuhörer von Anfang an im besten Sinne des Wortes im Griff: Sängerin Claudia Wandt

Ein Grund für diesen besonderen Umstand war allerdings vor allem die Band Spanish Mode, die für ihren unkomplizierten und freundlichen Kontakt mit dem Publikum bekannt ist. Da der Abschluss der Freiluftsaison des rührigen Vereins zum großen Bedauern des Vereins und auch der Gäste diesmal im Saal stattfinden musste, saßen die Besucher den Künstlern sozusagen schon fast auf den Zehenspitzen, was aber offensichtlich von keiner Seite als Nachteil empfunden wurde. Und wenn vier exzellente Musiker mit stimmgewaltiger Sängerin im überschaubaren Wohnzimmer von Xaver Scharwenka aufspielen, konnten dieses Mal auch alle Hörgeräte pausieren.

Fingerfertiger Herrscher über drei Typen von Gitarren: Frank Kaiser

Brillant im Spiel auf dem Saxophon, der Klarinette und auf dem Akkordeon: Henning Plankl

Das musikalische Feuerwerk, das die Band Spanish Mode dann zündete, brachte den Saal samt Besuchern zum Beben. Was die stimmgewaltige Sängerin Claudia Wandt, die hingebungsvoll agierenden Frank Kaiser (Jazz-, Klassik- und E-Gitarre), Christian Sievert (Kontrabass und E-Bass), Dominique Ehlert (Schlagzeug) und Henning Plankl (Saxophon, Klarinette und Akkordeon) boten, riss die Zuhörer förmlich mit beim Klatschen, Mitsingen und zahlreichen Bravo-Rufen.

Unter den gestrengen Augen von Xaver Scharwenka gab Dominique Ehlert am Schlagzeug alles.

In allen Titeln – von Claudia Wandt wegen ihres mehrjährigen Aufenthaltes in Madrid in einwandfreiem Spanisch gesungen – ging es immer um tiefe Gefühle: Liebe in ihrer schönsten Form, Sehnsucht, Kummer beim Abschied von einer Liebe, Träumen und Sehnsüchten. Claudia Wandt singt diese Titel, deren Heimat Spanien und Lateinamerika ist, nicht nur, sie zelebriert sie, lebt sie nicht nur mit ihrer Stimme, sondern mit ihrem ganzen Ich. Angefangen beim ersten Titel, einem Tango Argentino, der die Gefühle eines Paares beschreibt, das sich nach langer Zeit an „seinem“ Rosenbusch wieder trifft. Oder beim legendären Klassiker „Besamé, besamé mucho…“ (Küss’ mich, küss’ mich ganz oft, als ob es das letzte Mal wär´…) , ebenso gefühlvoll wie „Cielito lindo“ (Schätzchen), das fast als die zweite Nationalhymne Mexikos gilt.

Ganz innig und vertieft in sein Spiel auf dem Kontrabass: Christian Sievert

Und dann wird es wieder stürmisch und temperamentvoll bei „La Brucha“ („Die Hexe“). Es ist der Titel, in dem die bekannte, vom Schicksal aber auch schwer gezeichnete Frida Kahlo das Fremdgehen ihres Ehemannes – des berühmten mexikanischen Malers Diego Rivera, noch dazu mit ihrer Schwester – beklagt. Das Gefühl der Betrogenen legt Claudia Wandt sehr energisch in ihren Gesang samt zornigem Gesicht.

Sie fühlt in diesem Titel die Wut von Frida Kahlo über ihren untreuen Ehemann Diego Rivera nach.

Und so könnte man noch weiter schwelgen in den mal melancholischen und dann wieder mitreißenden Titeln wie den von Mercedes Sosas „Gracias a la Vida“ (Danke an das Leben) bis zur Zugabe „Cucurrucucú Palóma“ (Lied der weißen Taube), dessen Refrain viele Besucher mitsangen. Spanish Mode hat sein Versprechen eines musikalischen Feuerwerks voller Emotionen eingelöst und die Besucher beschwingt auf den Heimweg geschickt.

Beifallsstürme und Bravorufe für den beeindruckenden Auftritt der Band Spanish Mode
Blumen von den Vereinsmitgliedern Ruth Buder für die Sängerin und von Sylvia Hauer (3.v.l.) Wein für die ganze Band.