
In einer kleinen Feierstunde mit interessierten Gästen, Sekt und Snacks ist am Mittwoch (18.2.) der neue Museumsteil im Scharwenka Kulturforum eröffnet worden. Zu der bereits vorhandenen Ausstellung über das Leben und Werk des Komponisten und Musikpädagogen Xaver Scharwenka (1850-1924), heißt es nun ergänzend im Obergeschoss „Scharwenka privat“.


Die Besucher können sich quasi in den „Salon“ zurückziehen, auf zwei moosgrünen Samtsesseln Platz nehmen und über eine Audiothek sehr persönliche und liebevolle Briefe Scharwenkas – Teile von diesen sind auch an den Wänden in gerahmten Bildern zu sehen – an seine erwachsenen Töchter hören. Darin schreibt er ihnen unter anderem von seinem Sommerhaus in Bad Saarow, seiner „Musenhütte“, und dem dazugehörigen großen Garten. Eingelesen wurden die Briefe von seinem Urgroßneffen Wolfgang Scharwenka, der in Süddeutschland wohnt, aber gemeinsam mit seiner Frau zur Eröffnung gekommen war. Zu hören ist auch ein Feuilleton, das im Deutschlandfunk Kultur gesendet worden war, und die ganze Geschichte Scharwenkas und seiner „Wiedergeburt in Bad Saarow“ musikalisch untermalt erzählt. Denn zu DDR-Zeiten kannte ihn hier niemand, seine „Musenhütte“ war Café und Weinstube. Danach drohte der Verfall.

Gäste bei der Eröffnung waren auch Vorstandsmitglieder der befreundeten Scharwenka-Gesellschaft Lübeck mit Michael P. Schulz und Annette Tölpel. Sie hatten ein kleines Programm mitgebracht: Er las aus der Scharwenka Autobiografie „Klänge aus meinem Leben“, sie intonierte passend dazu Werke aus seinem „Album für die Jugend“.

Bevor man den salonartigen Teil des Obergeschosses betritt, sind im vorgelagerten Bereich einige Stücke aus dem privaten Besitz der Familie Scharwenka, wie sein Schreibtisch mit Lampe sowie eine Vitrine zu sehen. Diese dient zur Aufbewahrung der persönlichen fortgeschriebenen Notendrucke von Xaver Scharwenka und den Noten zu seiner einzigen Oper „Mataswintha“. Ergänzt wird die kleine Ausstellung mit Silber aus der Familie sowie zahlreichen Familienfotos.

Die Idee zur Erweiterung der Ausstellung hatte die Museumsgruppe des ehrenamtlichen Vereins Scharwenka Kulturforum e.V. unter Leitung von Ilona Genschmar, stellvertretende Vorsitzende. Auch alle Arbeiten wurden von der Museumsgruppe im Ehrenamt ausgeführt, lediglich die Kosten für die Anschaffung der Sessel, für Drucke, Bilderrahmen und Technik wurden aus der Vereinskasse bezahlt. Das Museum – es ist übrigens das einzige Musikermuseum in Brandenburg – kann immer sonnabends von 10 bis 13 Uhr besichtigt werden, außerdem während der Veranstaltungen (vorher, nachher oder in der Pause) sowie nach telefonischer Anmeldung (Tel. 015205134675).

Für einen netten Gag am Rande der Einweihungsfeier sorgten dann noch Vereinsvorsitzende Vera Jaspers und Peter Bergler, der Ehemann des Vereinsmitglieds Sylvia Bergler. Er hatte die Idee, den großen Scharwenka, der seit Dezember als lebensgroße Statue im Vorgarten steht und von dem Künstler Simeon Decker geschaffen worden war, als Mini-Statue zu doubeln. Mit einer Silikonschablone und Porzellanpulver schuf er zur allgemeinen Freude den Mini-Xaver, der beliebig vervielfältigt werden kann. Zu dem feierlichen Anlass wurde nun vier Exemplare verschenkt: an die befreundete Scharwenka-Gesellschaft in Lübeck, an den Urgroßneffen Xaver Scharwenka, an den Stiftungsvorsitzenden Prof. Dr. Stefan Koch und an das aktive Vereinsmitglied Lutz Storr. Peter Bergler wurde für seine tolle Idee vielfach gelobt und beklatscht.