
Fotos: Ruth Buder

Sie war grandios – die Premiere des Scharwenka Ensembles! Und natürlich fand der erste Auftritt des Ensembles unter dem neuen Namen am Ort des Namensgebers statt: im Scharwenka Kulturforum. Viele waren gekommen, alle Plätze waren besetzt. Darunter auch ungewohnt Besucher aus Frankfurt (Oder). Denn dort lebt ein Teil des Ensembles: Elisabeth Heise-Glass (Violine), die Mutter, und ihre zwei erwachsenen Kinder Clara (Violine) und Constantin (Violoncello). Die vierte im Bunde ist Erika Le Roux (Klavier), sie wohnt in der Nähe von München. Alle kennen sich über Jahre und musizierten bislang gemeinsam unter dem Namen „Familienangelegenheiten“. Aber, wie man an den Adressen sehen kann, ist dieser nicht ganz passend. Auch wegen der Nähe zu Bad Saarow und seinem Scharwenkahaus waren sie auf die Idee gekommen, ihren Namen zu ändern und damit die fast vergessenen Komponisten-Brüder hinaus in die Konzertsäle zu tragen.


Im Repertoire hatten sie Stücke von Dimitri Schostakovich, Mstislaw Rostropowitsch, Clara Schumann und natürlich Xaver und Philipp Scharwenka. Immer dabei die wunderbare Pianistin – sie hatte an diesem Abend ein Mammutprogramm zu leisten – im Wechsel mit den beiden Violinistinnen und dem Cellisten. Alles in exzellenter Qualität, mit hoher Präzision und sichtbarer Leidenschaft. Alle vier sind vielfach ausgezeichnet und in renommierten Orchestern oder an Musikhochschulen engagiert. Die Ideengeberin für das Scharwenka Ensemble, Elisabeth Heise Glass ist angestellt als Konzertmeisterin im Orchester der Deutschen Oper Berlin, daneben tritt sie als Solistin und Kammermusikerin auf. Sie gilt als eine der vielseitigsten Geigerinnen ihrer Generation.

Ihre Kinder, gerade mal Mitte 20, treten in ihre Fußstapfen. Für ihren Schostakovich wurde Clara Heise besonders gefeiert. Ihr Bruder zeigte mit seinem Violoncello sein ganzes Können bei einem zeitgenössischen Solostück von der finnischen Komponisten Kaija Saariaho (1952-2023), deren Stil von lang gehaltenen Bassnoten und der Verwendung mikrotonaler Intervalle geprägt ist.
Gut kam an, dass während des Konzertes die Akteure das Wort ergriffen. Erika Le Roux bekannte, dass sie den Xaver Scharwenka schon seit ihrer Kindheit kennt, weil sie nach von ihm und Klindworth editierten Noten Chopin spielte. Das Bechstein Klavier im Scharwenkahaus war ihr auch vertraut. „Damit spielte ich schon zu Hause, auf so einem Klavier bin ich groß geworden“, bekannte die Pianistin, die aus Südafrika stammt.



Helmut Lilge, Mitglied des Scharwenkavereins, begleitete als Moderator die Veranstaltung. Für ihn wie für die Vorsitzende Vera Jaspers war die Premiere ein freudiges Signal: Das Scharwenka Ensemble wird den fast vergessenen Xaver Scharwenka und seinen Bruder Philipp weiter bekannt machen. Dieses Ziel verfolgt natürlich auch Elisabeth Heise-Glass mit ihren wechselnden Musikern: Am 7. Mai tritt das Scharwenka Ensemble im Stadttheater Amberg auf, im Juni auf der Burg Beeskow und im nächsten Jahr in Lübeck auf Einladung der dortigen Scharwenka Gesellschaft. So viel ist heute schon klar.

Zum Schluss des zweistündigen Konzertabends gab es viel Applaus und bunte Frühlingsblumensträuße. Einen überreichte der 15-jährige Ferdinand Milling aus Frankfurt (Oder), an seine Geigenlehrerin Elisabeth Heise-Glass.
Auf eine Zugabe verzichteten die Gäste gern, nachdem „die Chefin“ mit Schweißperlen im Gesicht erklärt hatte, wie erschöpft sie alle sind. Vielen Dank! Viel Glück und Erfolg Scharwenka Ensemble!