Hier wohnte der Adel

Geschichten von Burgen, Schlössern und Herrenhäusern rund um den Scharmützelsee
Martin Kramberg (r.) während der gut besuchten Eröffnung der vom ihm kuratierten Ausstellung im Obergeschoss des Scharwenka Kulturforums.

Selbst Martin Kramberg konnte es nicht glauben: Unerwartet viele Interessierte waren zur Eröffnung seiner Ausstellung Burgen, Schlösser und Herrenhäuser rund um den Scharmützelsee“ gekommen. Anhand von 24 bebilderten Objekten hat er die Entwicklung von der Burg zum Schloss und die Entstehung der Herrenhäuser nachgezeichnet. Eröffnet wurde die Ausstellung am 6. März von Ilona Genschmar, stellvertretende Vorsitzende des Scharwenka Kulturforums e.V., und dem Ehrenvorsitzenden Lutz Storr. Er würdigte insbesondere die Leistungen von Martin Kramberg, der nach 1990 als junger Staatsanwalt nach Bad Saarow kam und sich – mit mehr oder weniger Erfolg – für den Erhalt des Charakters des Kurortes eingesetzt hat. Sein Interesse galt und gilt vor allem den historischen Gebäuden, er ist an zahlreichen Veröffentlichungen zur Erbepflege beteiligt. Schon seit 2012 ist er Mitglied des Scharwenka-Vereins, er hat maßgeblichen Anteil an der Mitgestaltung des Museums.

Nun präsentiert der pensionierte Jurist eine mit viel Liebe und Akribie – die Besitzverhältnisse sind mitunter problematisch – erstellte Ausstellung über die Wohnsitze von zumeist Adligen. Teilweise sind die pompösen Gebäude noch erhalten, teilweise verschwunden oder in ruinösem Zustand – eine interessante Geschichte haben sie alle. Über folgende Objekte wird berichtet:  Herrenhaus Selchow, Burg Storkow, Jagdschloss Hubertushöhe (Villa), Schloss Schwarzhorn (Hotel, Ruine), Herrenhaus Silberberg (abgegangen), Herrenhaus Reichenwalde, Herrenhaus Saarow, Schloss Markgrafpieske (abgegangen), Jagdschloss Rauen, Schloss Ketschendorf, Schloss Carlshöhe (Ruine), Jagdschloss Fürstenwalde, Schloss Steinhöfel, Schloss Neu Golm, Schloss Alt Golm, Herrenhaus Pieskow (abgegangen), Schloss Pieskow (Hotel, abgegangen), Herrenhaus Radlow, Schloss Hartensdorf (Ruine), Herrenhaus Sauen, Schlossgut Lindenberg, Schloss Groß Rietz, Burg Beeskow und die Burg Friedland.

Gute Gespräche und Begegnungen bei einem Gläschen Sekt oder Saft.

Und am Rande seiner Recherchen entdeckte Martin Kramberg auch diese Geschichte: Die „Gesellschaft für Stickstoffkultur m.b.H.“  als Pächter des Gutshauses Hartensdorf hatte dem Schauspieler Harry Liedtke per Schreiben vom 16. Mai 1930 erlaubt, die Feldjagd auszuüben. In Rechnung wurde ihm eine Schusserlaubnisgebühr von 60 Pfennig pro Morgen gestellt, für 772 gepachtete Morgen musste er pro Jahr also 463 Mark bezahlen. Ein entsprechendes mit Maschine geschriebenes Duplikat des Dokuments reichten die Ausstellungsbesucher interessiert von Hand zu Hand.

Interessant auch, welchen Zusammenhang zwischen dem Schloss Radlow und der chinesischen Schantung-Eisenbahn gibt. Darüber, so wünscht sich Martin Kramberg, würde er gern in einem gesonderten Vortrag mehr erzählen.

Die Ausstellung ist jetzt für lange Zeit im Obergeschoss den Scharwenka Kulturforums zu sehen. Besichtigt werden kann sie am Sonnabendvormittag von 10 bis 13 Uhr und während der Veranstaltungen im Scharwenkahaus.