



Liebhaber osteuropäischer Folklore kamen beim jüngsten Konzert im Garten des Scharwenka-Hauses voll auf ihre Kosten. Und da es derer offenbar viele in Bad Saarow und Umgebung gibt, standen die engagierten Vereinsmitglieder zu Beginn der Veranstaltung erstmals vor dem Problem, die allerletzten Reserven an Stühlen heran zu schaffen, denn als längst alle der vorher aufgestellten besetzt waren, trafen immer noch Interessierte ein. Auch die fleißigen Vereinsdamen am Kaffee- und Kuchenstand hatten alle Hände voll zu tun und mit so einem enormen Ansturm nicht gerechnet, so dass die süßen Teilchen schnell verkauft waren.
Trotzdem gab es weiter gute Laune, denn die Besucher waren ja vor allem auch wegen des avisierten Programms gekommen. Und da wurden sie von den drei Mitgliedern der Gruppe Shuriaki aus Dresden hervorragend belohnt.
Die Bandleaderin Ulrike Quast – sie ist Sängerin und Violinistin – hatte an ihrer Seite Dimitrios Bougas mit seiner Gitarre und Dmitri Kolosow am Bajan. Höchst anerkennenswert, dass Ulrike Quast alle Lieder aus Polen, der Slowakei, aus Russland, der Ukraine und aus Bulgarien in der jeweiligen Landessprache sang, ebenso auch in Romani. Aus dieser Sprache stammt auch der Titel der Gruppe Shuriaki und bedeutet Schwäger. Mit diesen, so die Sängerin, habe sie sich zusammengetan und präsentiert Lieder in unterschiedlichen Stimmungen. Da sie deren Inhalte dem Publikum vorher erläuterte, konnte die Zuhörer bestens verfolgen, was in den mal feurig, mal getragen, dann wieder humoristisch oder oft auch melancholisch vorgetragenen Geschichten erzählt wurde.
Ob die von dem Bauern, der eigentlich auf dem Feld arbeiten sollte, aber die Nacht zu kurz gewesen sei und er sich lieber in die Furche legte und schlief – und die Arbeit blieb unerledigt. Ein Lied in Romani besingt ein junges Mädchen, das sich darüber beklagt, sie habe weder Rock noch Kleid, aber sie möchte auch nicht ewig Jungfrau bleiben. In einem polnischen Lied beschreibt ein junger Landarbeiter seine Lebensphilosophie: Ich rauche und trinke und ich beiße ins Brot, was nutzt mir das Geld, ich werde ja doch sterben. Und in einem russischen Volkslied lugt der Schalk aus dem Text, in dem sich eine junge Frau aus dem Haus zu ihrem Liebsten schleicht und der Alte – ihr Mann – sie am Morgen fragt, wo sie denn gewesen sei. Sie versucht ihre Antwort glaubwürdig hervorzubringen: Ich habe die ganze Nacht auf der Ofenbank geschlafen.
Eines ihrer Lieblingslieder, so Ulrike Quast, sei Shuriaki, in dem sie die Schwäger in Romani besingt und mit einem Maxim auf einer langen Straße in die Zukunft blickt. Abschließend dann dass russische „Kalinka“, das viele Zuhörer beim Refrain klatschend begleiten.
Ein musikalisch beschwingter Samstagnachmittag, dem den ganzen August hindurch an jedem Samstagnachmittag weitere Konzerte folgen. Der Scharwenka-Garten, der nun auch noch mit einer wunderbaren neuen Bühne die Künstler in dem ihnen gebührenden Ambiente präsentieren kann, mausert sich dank eines engagierten Vereins in den Sommermonaten immer mehr zu einem Ausflugsziel hochwertiger kultureller Erlebnisse in einladender grüner Kulisse – und bei kälteren Temperaturen geht es mit vielen interessanten Veranstaltungen im Haus weiter.
