Musikalische Wanderungen durch die Epochen

Ein unvergesslicher Sommerabend und ein überraschender Ausgang mit dem Chor Cantabile

Am Samstag, dem 18. Juli, verwandelte sich der Scharwenka-Garten in einen Ort musikalischer Begegnung und gelebter deutsch-polnischer Freundschaft. Bereits zum zweiten Mal nach einem Besuch im Jahr 2019 war der gemischte Chor Cantabile aus Szamotuły (Polen), dem Geburtsort Xaver Scharwenkas, zu Gast und begeisterte das Publikum mit einem Konzert voller Klangschönheit, Ausdruckskraft und Herzlichkeit. Vor mehr als 20 Jahren wurde der Chor Cantabile von einer Gruppe begeisterter Chormusikliebhaber in der polnischen Kleinstadt Szamotuły gegründet. Der jetzige Chorleiter Remigiusz Skorwider hat sein Studium an der Musikakademie in Posen absolviert. Remigiusz ist auch als symphonischer Dirigent tätig. Im Chor singen heute sowohl Schüler und Studenten als auch Erwachsene. Cantabile nahm an vielen polnischen und internationalen Musikveranstaltungen teil. So konzertierte der Chor beispielsweise in Belgien, in Prag sowie in Deutschland.

Nach ihrer Ankunft in Bad Saarow wurden die polnischen Gäste von Mitgliedern des Scharwenka-Kulturforums in Empfang genommen und starteten zu einer Dampferfahrt rund um den Scharmützelsee.

Es ist bereits eine gute Tradition die Kurkonzerte im Kaffeegarten zu beginnen. Auch diesmal gab es wieder leckeren Kuchen und Kaffee für die mehr als hundert Besucher.

Das abwechslungsreiche Programm führte die Zuhörerinnen und Zuhörer auf eine Reise durch die Musikgeschichte. Den Auftakt bildeten geistliche Werke der Renaissance, deren eindrucksvolle Mehrstimmigkeit den besonderen Charakter des Chores unter Beweis stellte. Auch war es dem Chor ein besonderes Anliegen, ein Werk von Wacław z Szamotuł (1520-1560) aus Szamotuły, dem Heimatort des Chores, zu präsentieren.

Es folgten Kompositionen des Barock, darunter Werke von Johann Sebastian Bach, die mit großer Präzision und musikalischer Tiefe dargeboten wurden. Einen besonderen Platz nahmen die polnischen Volkslieder ein, die mit ihrer Wärme und Lebensfreude an die Heimat des Chores erinnerten und vom Publikum mit viel Applaus bedacht wurden.

Das Programm wäre nicht vorstellbar ohne die Musik von Xaver Scharwenka, und so sang der Chor das Lied „Sonnenlicht, Sonnenschein“ aus „Drei Lieder“ op. 15.

Romantische Töne, mit Anklängen an mittelalterliche Klangwelten leiteten über zu einer emotional anderen Ebene, dem bekannten spanischen Volkslied La Cucaracha. Schließlich bewies der Chor mit modernen Pop-Arrangements, wie New York, New York, seine erstaunliche stilistische Vielseitigkeit. Die Sängerinnen und Sänger überzeugten dabei mit beeindruckender Stimmkraft, großer Spielfreude und ansteckendem Enthusiasmus.

Mit Charme, Witz und ausgezeichnetem Deutsch führte Karolina Gębka durch das Programm und vermittelte unterhaltsam interessante Hintergrundinformationen zu den einzelnen Stücken.

Chorleiter Remigiusz Skorwider leitete sein Ensemble mit großer Präzision, musikalischer Leidenschaft und Einfühlungsvermögen.

Mit großem Applaus bedankte sich das Publikum und erhielt noch einige Zugaben .

Als Zeichen der Wertschätzung überreichten die Gastgeber dem Chor eine kleine Xaver-Scharwenka-Statue, gefertigt von Peter Bergler aus Porzellan, die der Holzskulptur vor dem Scharwenka-Haus nachempfunden ist.

Nach dem Konzert blieb bis zur Abfahrt des Busses noch etwas Zeit. Die Gäste stärkten sich bei Speis und Trank und interessanten Gesprächen.

Sie nutzten auch die Gelegenheit unter Führung von Lutz Storr das Musikermuseum mit dem Reproduktionsklavier zu besichtigen. Dabei entdeckten sie den historischen Bechstein-Flügel, und spontan begann ein weiterer musikalischer Höhepunkt des Abends. Die Pianisten, einschließlich Chorleiter, wechselten sich am Flügel ab, während der sangesfreudige Chor noch einmal mit großer Begeisterung zu singen begann und die noch verbliebenen Mitglieder des Scharwenka Kulturforums erfreute. Dieser ungeplante Ausklang begeisterte alle Anwesenden und machte den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Mit vielen schönen Erinnerungen und der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen verabschiedeten die Gastgeber schließlich ihre Freunde aus Polen. Der Auftritt des Chores Cantabile hat erneut gezeigt, wie Musik Menschen verbindet, Grenzen überwindet und Freundschaften lebendig hält.